Kickers Emden kupfert bei Bayern München ab


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17./18. November 2007

Arena für Ostfriesen


Würde man für die Lage der Stadt Emden einen Fußballbegriff wählen, wäre womöglich das Wort "Abseits" geeignet. Nördlich gibt es nur die Ostfriesischen Inseln Juist, Borkum und Norderney, westlich liegt Holland, und eine knappe Auto- stunde östlich kommt Bremen. Natürlich sind fast alle Ostfriesen Werder-Fans. In vielen Gärten weht die Flagge des viermaligen deutschen Meisters, und alle zwei Wochen machen sich viele von ihnen auf ins Weserstadion. Nun aber tut sich auch daheim etwas in dieser platten Landschaft an der Nordsee.

  Soweit wie Kickers Emden hat es noch kein Verein aus der Gegend geschafft. Das Team liegt in der Regionalliga Nord auf Platz eins. Und weil der 1946 gegründete Klub für die künftige dritte Liga ein Stadion mit einer Kapazität von mindestens 10000 Zuschauern und in der zweiten Klasse von 15000 bräuchte, soll für 20 Millionen Euro eine "Ostfriesen Arena" gebaut werden. Der Clou ist, dass man dafür quasi vom Fc Bayern abgekupfert hat. Im Grunde ist es eine kleine Ausgabe der Münchner Allianz-Arena mit einer wabenähnlichen Außenhaut, die beleuchtet werden kann. Drumherum allerdings soll ein Deich errichtet werden. Denn die Kickers hören auch auf den Namen "Deichkicker". Überhaupt soll das Projekt laut Koordinator Nils Andersson ein Signal für die strukturschwache Region sein: "Es wäre optimal, wenn wir sagen könnten, das Stadion wird von Ostfriesen für Ostfriesen errichtet."

  Der Mann, der die Sache angeschoben hat, ist allerdings gebürtiger Westfale. Kickers-Präsident Engelbert Schmidt, ein kantiger Makler für Schiffsimmo- bilien, dessen Firma Embdena derzeit auch Namensgeber des alten Stadions ist (so hieß auch Emden vor Jahrhunderten), hat offenbar nicht nur für Immobilien ein Gespür, sondern auch eine gute Menschen- kenntnis. Michael Krüger und Marc Fascher waren die Vorgänger vom neuen Trainer Stefan Emmerling, 41, der als Profi 208 Bundesligaspiele auf dem Rücken hat. Jedes Mal hat es gepasst. Als Emmerling im Juni verpflichtet wurde, hatten 15 Spieler den Verein verlassen und es war gerade ein Neuer da. Etliche Nächte später hatte er 13 weitere Fußballer angeworben. Und auch Emm- erling hat offenbar ein gutes Auge.

  Der Coach, der zuvor die zweite Mannschaft von Alemannia Aachen trainiert hatte und als Kandidat für das Aachener Zweitligateam nur knapp dem Weltmeister Guido Buchwald unterlag,
 
hat bei der Spieler suche auch auf Urteile alter Kollegen wie etwa Dieter Hecking oder Alemannia-Sportdirektor Jörg Schmadtke vertraut. Fußballerisch lässt er ein 4-4-2-System spielen, anders als Vorgänger Fascher, der noch einen Libero aufbot, und dessen Spielweise als unattraktiv galt. Eines aber gilt weiter: Das Team kommt vor allem über den Kampf. "Das geht gar nicht anders, denn wir haben im alten Stadion einen sehr tiefen Rasen ohne Dränage", sagt Emmerling. Und in Emden regnet es oft.

  Die mittlerweile fast 4000 Zu- schauer im Schnitt (1OOO mehr als im letzten Jahr) mögen diese Kraft des Kollektivs. Fußball wird dort gearbeitet, und sechs der bislang zehn Siege endeten 1:0. Es gibt keinen überragenden Spieler, der mit seiner Kreativität ein Match entscheidet. Aber es gibt Führungs- spieler wie den kahlköpfigen Mittel- feldspieler Rudolf Zedi oder den Stürmer Enrico Neitzel, der aus wenigen Chancen Tore macht. Und natürlich ist auch die Globalisierung bis nach Emden gekommen: Nur zwei Spieler im Kader, der bislang jährlich zwei Millionen kostet, sind Ostfriesen.

  Um beim Geld zu bleiben: Noch immer ist nicht klar, welches Kapital aus welcher Quelle sprudelt, um das neue Stadion zu finanzieren. Es soll ja angeblich im April 2008 mit dem Bau begonnen werden, damit es 2009 fertig ist. Die "Ottifanten", jene von Otto Waalkes gezeichneten Elefanten, welche die Kickers seit 2005 mit Genehmigung des Künstlers für Werbezwecke nutzen dürfen, werden es jedenfalls nicht herbeischaffen. Präsident Schmidt wiederum sagt: "Details sind momentan nicht für die Öffentlichkeit geeignet, das wäre kontra- produktiv." Anderseits, sagt er, hätte er das Projekt nie verkündet, "wenn wir nicht überzeugt sind, dass es klappt". Im Januar ist Landtagswahl, da haben Politiker oft Spendierhosen an. Ministerpräsident Christfan Wulff hat bereits positive Signale nach Emden geschickt. Das Land Niedersachsen könnte eine Bürgschaft geben, auch aus EU-Mitteln könnte etwas möglich sein.

  Sollte alles plangemäß klappen inklusive des Aufstiegs in die zweite Liga, könnten sich die dann aus der Ferne anreisenden Gäste nicht nur an Emdener Kollektiv-Fußballer freuen. Neben der Bratwurst gibt es eine besondere Leckerei auch im künftigen Stadion: Spezialitäten mit Fisch, direkt aus der Nordsee gefangen. Jörg Marwedel




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